Aus der Zeitschrift EinSicht Winter 2009

Winterzeit ~ Nusszeit

Astrid Schrammel

Es ist Zeit sich von den äußeren Aktivitäten zurückzuziehen und in die innere Beschaulichkeit zu gehen. Diese langen, dunklen Abende schenken uns Zeit innere Einkehr zu halten. Das wurde mir sehr bewusst, als ich den Winter in Neuseeland erlebte. Dort ist es am kürzesten Tag 2 Stunden länger hell als bei uns in Mitteleuropa. Die Helligkeit der Sonne lockt immer wieder nach draußen. Aber wir hier können es uns drinnen gemütlich machen und Nüsse knacken, innere persönliche harte Schalen und äußere Nüsse, die uns die Bäume geschenkt haben.

Die Walnüsse und Haselnüsse sind bei uns am meisten bekannt, weil sie hier heimisch sind. Es ist wunderbar einen Walnussbaum in der Nähe des Hauses zu haben und im Herbst jeden Morgen frisch gefallene Nüsse aufsammeln zu dürfen. Die Bäume schenken reichlich von ihren nahrhaften Früchten für Mensch und Tier.

Meine Mutti erzählte, dass die Dorfkinder morgens auf dem Schulweg die frisch gefallenen Nüsse vor dem Haus des Pastors sammelten. Da bot sich morgens in aller Herrgottsfrühe ein seltsames Bild. Der Herr Pastor persönlich mit Zipfelmütze sammelte vor den Kindern in sein Nachthemd fleißig die Nüsse ein. So kostbar waren ihm die Früchte, dass er extra früh aufstand.

Übrigens schmecken diese frischen Nüsse sehr süß. Wenn wir sie aber für den Win

ter lagern wollen, sollten sie sofort ausgebreitet so schnell wie möglich trocknen. Manche benutzen den Ofen auf kleiner Stufe dazu. Ich selbst trockne sie auf der Heizung. Meistens reicht ein Tag dazu. Wenn sie nicht gleich getrocknet werden, gibt das Arbeit für unsere kleinen Freunde die Schimmelpilze oder andere kleine Wesen. Wenn sie eine Nuss in Besitz genommen haben zeigt sich das an kleinen feinen Härchen, die von vielen übersehen werden oder an winzigen schwarzen Kügelchen. Auch die braune Haut zeigt dann oft Verfärbungen, oder die Nuss hat schwarze Stellen. In diesem Zustand sind sie aber für den Menschen nicht geeignet.

Die ausgeschälten Wal- und Haselnüsse eigenen sich nicht für längere Lagerung, da sie sehr ölhaltig sind und leicht ranzig werden. 100 Gramm dieser Energiespender können bis zu 60 Gramm Fett enthalten. Meine Zunge ist sehr sensibel und meldet mir diesen ranzigen Geschmack sofort, sogar wenn ranzige Nüsse im Kuchen verbacken ist. Man kann sich in diesem Punkt auch nach der Farbe der Nüsse richten. Sie müssen schön weiß sein, die gelblichen Verfärbungen könnten ranzig sein.

Normalerweise wachsen bei uns die Haselnüsse an Stauden. Aber in den letzten Jahren habe ich die Früchte der Haselnussbäume entdeckt. Seltsamerweise sind sie überall an den Straßen für jedermann zugänglich angepflanzt. Aber sehr wenige Menschen sammeln sich die Nüsse, obwohl sie bei ihnen direkt vor der Haustür vom Baum herunterpurzeln. Dabei schmecken sie mir noch besser als die uns bekannten Staudenhaselnüsse.

Beide Wal- und Haselnüsse weiche ich ausgeschält über Nacht in Wasser ein, weil sie dann viel süßer schmecken und für mich bekömmlicher sind. Das Fett dieser köstlichen sättigenden Früchte setzt sich aus vielen ungesättigten Fettsäuren zusammen. Die Alpha-Linolen-säure, die besonders in der Walnuss vorkommt, gehört zu den pflanzlichen Omega-3 Fettsäuren. Das tut dem Herzen und dem Kreislauf gut und kann sich auch positiv auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirken. Wegen des hohen Fettgehalts können die Nüsse auch beim Backen sogar die Butter ersetzen. Die fettreichste Nuss heißt Macadamia. Diese kaufe ich nur in der Schale, weil sie besonders schnell ranzig schmecken. Aber ihre Schale ist sehr hart. Sie kann nicht mit einem Nussknacker geknackt werden. So benütze ich einen Hammer, um an den sehr leckeren Kern zu kommen. 

Außerdem gesellt sich zu den ungesättigten Fettsäuren auch noch das gesunde Vitamin E in allen Nüssen dazu. Die Minerale Magnesium und Kalium, die auch in ihnen enthalten sind, tun unseren Muskeln gut. Besonders die Cashewkerne weisen viel Magnesium auf. Dafür ist ihr Fettgehalt geringer. Früher wurde gesagt, dass Nüsse gute Nervennahrung sind, was sich heute durch die Forschung bestätigt hat, weil diese kleinen Energiebomben auch B-Vitamine enthalten. Die Paranuss tut sich hier mit viel Vitamin B1 hervor. Wer also seinen Energiehaushalt aufmöbeln möchte, greife zu diesen.

Erdnüsse, die in Wirklichkeit zu den Hülsenfrüchten gehören und keine Nüsse sind versorgen uns mit 26 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm. Das entspricht der Menge Eiweiß in Schnittkäse. Pinienkerne liebe ich besonders. Doch das sind keine Nüsse sondern Samen. Ihr Gehalt an Vitamin B1 übertrifft noch die Paranuss. Gerne esse ich auch Pistazien, die wiederum Nüsse sind. Unbehandelte frische, noch in der Schale befindliche Pistazien  sind im Handel schwer zu bekommen. Aber die schmecken am besten. Sie sind reich an Kalium.

Übrigens zählen auch die Maronen oder Esskastanien zu den echten Nüssen. Ihr Mehl kann man vielerlei Speisen beifügen.
Eine damit angedickte Suppe bekommt einen lieblichen Geschmack. Zuletzt möchte ich die Pekannuss erwähnen. Sie sieht außen aus wie eine Eichel und innen wie eine Walnuss, schmeckt aber süßer.

Winter-Energie-Quelle aus harter Schale! Welch ein Genuss!


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