Aus der Zeitschrift EinSicht Herbst 2014

Titel
Schneckentransport

Autor
Von N. B.

Text

Liebe Freunde,

seit ich mich erinnern kann, habe ich den Häuschenschnecken und den Regenwürmern über die Straße geholfen, weil ich es als zu gefährlich für die langsamen Geschöpfe fand oder weil ich sehen konnte, dass sie sich mit dem harten Weg (Asphalt, Schotter oder Kies) quälten.

Weinbergschnecke

Als ich noch ein Kind war, war dies nichts wirklich Besonderes, da doch viele Kinder sich mit Tieren beschäftigen. 2008 waren unsere Kinder und ich an der Nordsee, wo wir täglich von der Wohnung zum Strand gingen. Da war ein Weg durch einen „Kurpark“ mit Steinen drauf und es gab ziemlich viele Regenwürmer, die sich mit diesen kleinen Steinchen „panierten“ und dann nicht mehr weiter kamen.

Sie dauerten mich, ich hob sie auf und legte sie behutsam – wie es meine Gewohnheit ist – auf der Seite ins Gras. Dies brachte mir doch die verwunderten Blicke der Passanten ein und von einer netten Frau, die zwischenzeitlich unsere Freundin ist, den Spitznamen:
„Die Regenwurmretterin“.
Die Würmer sind meist ziemlich verzweifelt, wenn man sie anfasst und brauchen einen Moment bis sie sich entspannen und sie merken, dass sie nicht gefressen, sondern nur transportiert werden.
Die Schnecken haben stets ihre Stielaugen eingezogen und sich oftmals langsam in ihre Häuschen zurückgezogen.
Kürzlich traf ich nun eine Schnecke, die auf der Straße an einer sehr gefährlichen Stelle unterwegs war. Nachdem ich sie zwischen die Räder genommen hatte, hielt ich an, lief zurück und sagte schon unterwegs, hier sei es viel zu gefährlich und ich werde ihr über die Straße helfen. Offensichtlich war es ganz gut, dass sie einige Momente Zeit hatte zwischen meinen Gedanken und meiner Berührung mit der Hand.
Sie war die erste Schnecke in meinem Leben, die völlig entspannt blieb, der Körper war ganz lang, und die mich mit ihren Äuglein interessiert anschaute, während ich sie auf den Rand der Straßenseite setzte, in deren Richtung sie unterwegs war.
Ich bekam ein warmes Gefühl und spürte ein „DANKE“
Wie ich dies nun an Euch geschrieben habe, bemerke ich, dass ich noch keiner Nacktschnecke behilflich war. Ich achte sie und bin stets darauf bedacht, sie nicht zu gefährden, wenn wir uns auf der Straße begegnen. Doch ich kam seither nicht auf die Idee eine von ihnen in die Hand zu nehmen, um sie zu transportieren….
IMG rund

 


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